KAPITEL 1
Kapitel 1 – Die längste Nacht des Jahres
Manche Wunder kündigen sich nicht durch Donner oder helles Licht an. Manche beginnen mit einer Träne, die niemand sieht, und einem Herzen, das noch nicht weiß, weshalb es schlägt. Das Dorf, in dem die Worte verstummten Es war der einundzwanzigste Dezember. Die längste Nacht des Jahres senkte sich über die Welt, und mit ihr kam ein Schnee, wie ihn selbst die ältesten Bewohner des kleinen Dorfes Winterhain nur selten erlebt hatten. Die Flocken fielen nicht hastig oder wild. Sie schwebten beinahe schwerelos durch die kalte Luft, als hätte jemand im Himmel ein riesiges Federkissen geöffnet und dessen weiche Füllung über die Erde gestreut. Auf den Dächern der Fachwerkhäuser bildeten sich weiße Hauben. Die Äste der Tannen neigten sich unter ihrer Last, und die schmalen Gassen verschwanden allmählich unter einer glitzernden Decke. Winterhain lag verborgen zwischen sanften Hügeln und ausgedehnten Wäldern. Ein schmaler Fluss schlängelte sich am Dorf vorbei, und auf dem Marktplatz stand eine alte Linde, deren Stamm so mächtig war, dass drei Kinder sich an den Händen fassen mussten, um ihn zu umfassen. Zur Weihnachtszeit war Winterhain gewöhnlich ein …

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